Warum „sauber“ nicht sauber genug ist und ppm nicht alles sagt

Das Wichtigste in Kürze:
- Leitungswasser-Tabu: Salze im Wasser erzeugen sofort Silberchlorid (Milchigkeit) statt Nanopartikeln.
- Leitfähigkeit: Nur destilliertes Wasser unter 5 µS/cm bietet den nötigen „leeren Raum“ für reine Reaktionen.
- Faktencheck: Wir klären wissenschaftlich auf: Warum ppm keine Qualitätsgarantie ist und was der metallische Geschmack bedeutet.
- Lesezeit: ca. 4 Min.
Ein Maler malt nicht auf schmutziger Leinwand. Ein Chemiker arbeitet nicht in schmutzigen Reagenzgläsern. Und wer hochwertiges kolloidales Silber herstellen will, darf kein normales Wasser verwenden. Wasser ist das meistunterschätzte Element in diesem Prozess. Für uns ist es nicht nur ein Getränk, sondern ein Reaktionsraum. Und dieser Raum muss leer sein, damit die Physik funktionieren kann.
Hier analysieren wir die gängigen Bezeichnungen im Handel hinsichtlich ihrer Eignung für die Elektrolyse.
1. Aquaionic® (Spezialanfertigung)
- Definition: Ein speziell für die Herstellung von Kolloiden optimiertes Wasser. Es ist entmineralisiert und entionisiert.
- Leitfähigkeit: < 2,0 µS/cm.
- Anwendung: Referenzlösung für Kolloid-Herstellung und Laboranalytik.
- Eignung: ✅ Ideal (Idealer „leerer Raum“).
2. Aqua bidest (Bidestilliertes Wasser)
- Definition: „Aqua bidestillata“. Zweifach dampfdestilliertes Wasser. Der Standard in der medizinischen und chemischen Hochpräzisions-Analytik.
- Leitfähigkeit: < 0,1 µS/cm.
- Anwendung: Laborbedarf, wenn steril: Augentropfen, Injektionen.
- Eignung: ✅ Gut (Höchste Reinheitsstufe im freien Handel).
3. Ampuwa (Wasser für Injektionszwecke)
- Definition: „Aqua ad iniectabilia“. Steriles, pyrogenfreies Wasser aus der Apotheke. Es ist extrem rein, aber oft sehr teuer in kleinen Mengen.
- Leitfähigkeit: < 1,0 µS/cm.
- Anwendung: Medizinische Injektionen, Infusionen.
- Eignung: ✅ Sehr gut (Technisch perfekt, aber meist unwirtschaftlich).
4. Echtes Dampfdestillat (Aqua dest)
- Definition: Wasser, das durch Erhitzen verdampft und wieder kondensiert wurde. Bakterien, Viren und anorganische Feststoffe (Kalk, Salze) bleiben zurück.
- Leitfähigkeit: ca. 2 bis 5 µS/cm (je nach Lagerung).
- Anwendung: Pharmazie, Kosmetikherstellung.
- Eignung: ✅ Sehr gut (Der empfohlene Standard).
5. Entmineralisiertes Wasser (Deionat / „Bügelwasser“)
- Definition: Wasser, das durch Ionenaustauscher oder Umkehrosmose entsalzt wurde. Im Baumarkt oft fälschlich als „destilliertes Wasser“ (nach VDE 0510) bezeichnet.
- Problem: Es ist zwar chemisch weitgehend salzfrei, aber nicht zwingend mikrobiologisch rein (Keime) und enthält oft noch neutrale organische Rückstände.
- Leitfähigkeit: 5 bis 20 µS/cm (schwankende Qualität!).
- Anwendung: Autobatterien, Dampfbügeleisen, Kühlwasser.
- Eignung: ⚠️ Bedingt / Risikobehaftet (Nur verwenden, wenn Leitfähigkeit < 5 µS/cm gemessen wurde und das Wasser frisch ist. Gefahr von Verunreinigungen durch das Herstellungsverfahren.)
6. Gereinigtes Wasser (Ph. Eur.)
- Definition: Wasser, das pharmakologischen Standards entspricht (oft durch Umkehrosmose hergestellt).
- Leitfähigkeit: < 4,3 µS/cm (bei 20°C).
- Anwendung: Herstellung nicht-steriler Arzneiformen.
- Eignung: ✅ Gut (Erfüllt die physikalischen Anforderungen).
7. Mineralwasser / Leitungswasser
- Eignung: ❌ Ungeeignet (Führt sofort zur Bildung von Silbersalzen/Silberchlorid statt elementarem Silber. Die Elektrolyse „verbrennt“ die Fremdstoffe).
- Definition: Wasser aus der Quelle oder dem Hahn. Reich an gelösten Ionen (Calcium, Magnesium, Chlorid, Sulfat).
- Leitfähigkeit: 300 bis > 1000 µS/cm.
- Anwendung: Trinken.
1. Die Chemie des Scheiterns: Leitungswasser ist tabu
Viele Einsteiger fragen: „Kann ich nicht einfach abgekochtes Leitungswasser nehmen?“ Die Antwort der Chemie ist ein klares Nein.
Aus Ihrem Wasserhahn kommt kein reines H2O. Es ist ein chemischer Cocktail aus Mineralien, Salzen und oft Chlor. Sobald Sie die Elektrolyse starten, treffen die freigesetzten Silberionen (Ag+) auf die im Wasser gelösten Chloridionen (Cl−). Es passiert eine sofortige, chemische Reaktion: Ag++Cl−→AgCl

Es entsteht Silberchlorid. Das ist ein schwerlösliches Salz.
- Das optische Ergebnis: Eine milchige, weiße Wolke im Wasser.
- Das physikalische Ergebnis: Sie haben keine freien Silber-Nanopartikel mehr, sondern eine primitive Fotochemikalie (Silberchlorid wurde früher in Fotopapier genutzt).
Wer Leitungswasser oder mineralhaltiges Stilles Wasser nutzt, betreibt keine Kolloid-Herstellung, sondern produziert Salze. Das ist physikalisch am Ziel vorbei.
2. Die physikalische Messgröße: Leitfähigkeit (< 5 µS/cm)
Wie „leer“ muss das Wasser sein? Wir messen die Reinheit von Wasser über seine elektrische Leitfähigkeit in Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm). Je mehr Fremdstoffe (Ionen) im Wasser sind, desto besser leitet es.
- Leitungswasser: 300 bis 800 µS/cm (Voll mit leitfähigen Mineralien).
- Anforderung für Kolloide: Wir benötigen Wasser, das fast ein Isolator ist. Der Grenzwert liegt bei < 5 µS/cm. Nur bei dieser Reinheit ist garantiert, dass der Stromfluss während der Elektrolyse fast ausschließlich durch die neu entstehenden Silberionen getragen wird und nicht durch Fremdstoffe.
Nutzen Sie daher stets hochwertiges destilliertes Wasser, das diese Grenzwerte einhält.
Wasser-Physik: Die Leitfähigkeit
Die elektrische Leitfähigkeit des Wassers ist der wichtigste Indikator für dessen Reinheit vor Beginn der Herstellung.
1. Die Maßeinheit: Microsiemens pro Zentimeter (μS/cm)
Reines Wasser (H2O) leitet Strom theoretisch gar nicht. Erst im Wasser gelöste Fremdstoffe (Mineralien, Salze, Metalle) ermöglichen als Ionen den Stromfluss.
- Leitungswasser: Hat oft eine Leitfähigkeit von 300 bis 800 μS/cm (viele gelöste Stoffe).
- Aqua Dest (Destilliertes Wasser): Sollte unter 5 μS/cm liegen.
- Aqua Bidest (Doppelt destilliert): Liegt oft unter 1 μS/cm.
2. Warum ist eine hohe Leitfähigkeit zu Beginn ein Problem?
Beginnt man die Elektrolyse mit Wasser, das bereits eine hohe Leitfähigkeit hat, passieren zwei Dinge:
- Fremdreaktionen: Die Silberionen reagieren sofort mit den vorhandenen Fremdstoffen (z. B. mit Chlorid zu Silberchlorid). Das Wasser wird trüb und verliert seine kolloidalen Eigenschaften.
- Stromfluss-Kontrolle: Ein Generator kann den Stromfluss nicht präzise steuern, wenn das Wasser „von sich aus“ schon zu stark leitet. Die Folge sind unkontrolliert große Silberpartikel.
💡 Fazit: Das ideale Ausgangswasser hat eine Leitfähigkeit von nahe 0 μS/cm bis 2 µS/cm. Nur so ist garantiert, dass der später gemessene Leitfähigkeitsanstieg ausschließlich auf die freigesetzten Silberpartikel zurückzuführen ist.
3. Die Referenz: Der Industriestandard
Nicht jeder möchte die Physik selbst in die Hand nehmen. Für Anwender, die ein standardisiertes Ergebnis suchen, gibt es industriell gefertigte Kolloide (oft als „Labor-Qualität“ bezeichnet). Diese dienen als Referenz-Standard. Sie werden unter Reinraumbedingungen hergestellt und zeigen, wie das ideale Ergebnis aussehen soll:
- Hochreines Wasser als Ausgangsbasis.
- Exakte Partikelgrößenverteilung.
- Perfektes Zeta-Potential. Wer seinen eigenen Prozess kalibrieren oder vergleichen möchte, findet hier den physikalischen Maßstab.
4. Faktencheck & FAQ: Mythen der Physik
Im Internet kursieren viele Halbwahrheiten. Wir stellen sie physikalisch richtig.
⚠️ „Je mehr ppm, desto besser!“
Fakt: ppm (parts per million) ist ein Konzentrationsmaß (Massenanteil). Es sagt nichts über die Qualität aus. Die Physik: Die Wirksamkeit eines Kolloids (reaktive Fläche) hängt von der Oberfläche ab, nicht nur vom Gewicht.
- Beispiel: Stellen Sie sich einen Würfelzucker vor, der 3 Gramm wiegt. Werfen Sie ihn in Kaffee. Er hat eine kleine Oberfläche.
- Vergleich: Nehmen Sie nun denselben Würfel, zermahlen ihn zu feinstem Puderzucker und streuen ihn ein. Das Gewicht (3 Gramm = ppm) ist identisch. Aber die Oberfläche des Puderzuckers ist tausendmal größer. Fazit: Ein Kolloid mit niedrigeren ppm, das aus Milliarden winziger Partikel besteht, ist physikalisch wertvoller als eine Lösung mit hohen ppm, die nur aus wenigen großen Klumpen besteht. Klasse (Feinheit) schlägt Masse.
⚠️ „Es muss metallisch schmecken, sonst ist nichts drin.“
Fakt: Dieser Mythos ist tatsächlich wahr – physikalisch gesehen. Der metallische, oft als bitter empfundene Geschmack entsteht, wenn Silberionen auf die Rezeptoren der Zunge treffen. Ein starker metallischer Geschmack ist ein Indikator für eine hohe Ionen-Konzentration (hohe Leitfähigkeit). Schmeckt es nur nach Wasser, ist die Konzentration vermutlich sehr gering.
⚠️ „Mein Wasser wird gelb – ist es schlecht?“
Fakt: Nein (siehe Artikel 2). Eine klare Gelbfärbung ist der „Fingerabdruck“ der Plasmonenresonanz bei ca. 400nm. Es ist der physikalische Beweis für Nanopartikel. Nur wenn es trüb oder grau wird, ist es agglomeriert (zusammengeballt).
Praxis-Tipp & Ausrüstung
Für die Herstellung benötigen Sie destilliertes Wasser mit einer Leitfähigkeit unter 5 µS/cm.
Wissenschaftliche Referenzen
Hier finden Sie die physikalischen Grundlagen und Studien, auf denen dieser Artikel basiert:
Quellenverzeichnis anzeigen
- VDI-Richtlinie 2035 / DIN EN standards. (Technische Definitionen zur Wasserleitfähigkeit und Entsalzung).
- Skoog, D. A., et al. Instrumental Analysis. (Grundlagen zur Messung von Leitfähigkeit und Ionenkonzentration).
- Journal of Chemical Education. Precipitation of Silver Chloride. (Chemische Grundlagenreaktion von Ag+ und Cl-).
- NASA Technical Memorandum. Silver Ion Water Disinfection. Johnson Space Center, USA. (Nutzung von Silberionen in Wassersystemen und Geschmacks-Schwellenwerte).
